Wonach fragen Menschen die KI? Analyse von 10.000 echten Konversationen
Amerikanische Studien großer KI-Unternehmen haben bereits gezeigt, wofür Menschen Chatbots auf Englisch nutzen. Europa in 22 Sprachen ist aber eine andere Geschichte — und wir können sie anhand eigener Daten erzählen. Neben unserem AI Chat betreiben wir in 22 Sprachen auch eine kostenlose chat GPT-Alternative — und genau aus ihr haben wir 10.000 Konversationen in 15 thematische Kategorien eingeteilt und herausgefunden, was Europäer wirklich von künstlicher Intelligenz wollen. Spoiler: viel mehr berufliche E-Mails als philosophische Debatten.
Zum Datenschutz gleich vorweg: Wir haben ausschließlich mit aggregierten, anonymisierten Daten gearbeitet — ohne IP-Adressen und ohne Veröffentlichung des Inhalts einer einzigen Konversation (alle Beispiele im Artikel sind Paraphrasen). Daten zahlender Kunden fließen nie in unsere Studien ein. Details in der Methodik am Ende des Artikels.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
Ein Drittel aller Konversationen (33 %) ist Textarbeit — schreiben, korrigieren, übersetzen. Häufigste Einzeltätigkeit: eine berufliche E-Mail oder ein Antrag.
Kreatives Schreiben und Rollenspiel machen 22 % der französischen Konversationen aus — fünfmal mehr als der europäische Durchschnitt. Die Franzosen haben aus der KI eine Bühne gemacht.
Litauer und Esten fragen die KI am häufigsten in Europa nach Gesundheitsthemen — jede siebte Konversation. Medikamente, Laborwerte, Symptome.
Explizite Inhalte machen nach einem strengen Audit 2,2 % der Konversationen aus. Den Ruf von KI-Chats als erotisches Spielzeug bestätigen die Daten nicht.
Das Gesamtbild: E-Mails, Textkorrekturen und Hausaufgaben
Der Sieger ist eindeutig: einen beruflichen oder behördlichen Text schreiben — eine E-Mail an den Vorgesetzten, eine Beschwerde an den Lieferanten, ein Antrag bei einer Behörde, ein Lebenslauf. Ein Sechstel aller Konversationen. Rechnet man Korrekturen eigener Texte (11,6 %), persönliche Nachrichten und Glückwünsche (3,0 %) und Übersetzungen (2,2 %) hinzu, ergibt sich die zentrale These der Studie:
Ein Drittel aller Konversationen mit der KI (33,1 %) ist Textarbeit. Mehr als Allgemeinwissen, Schule und praktische Anleitungen zusammen. Künstliche Intelligenz ist in Europa kein Orakel und kein Freund — sie ist ein Büroassistent. Das passt hervorragend zu unserer Zeitstudie: Der Höhepunkt des Aufkommens liegt am Dienstag um 11 Uhr vormittags, und am Wochenende sinkt es auf die Hälfte.
Am extremsten sind Portugiesen und Niederländer: Ein Drittel ihrer Konversationen ist reine Korrektur — „hier ist mein Text, korrigiere ihn” (32,7 % bzw. 28,6 % allein für Korrekturen). Esten und Griechen arbeiten dagegen kaum mit Text — für sie ist die KI eher eine Suchmaschine und ein Ratgeber.
Nationale Profile: Was jedes Land anders angeht
Die Gesamtzahlen verdecken das Interessanteste — jeder Markt nutzt die KI auf seine eigene Art. Hier sind die Themen, bei denen die einzelnen Sprachen am stärksten aus dem Rahmen fallen; die Zahl in Klammern gibt an, wie viel häufiger das Thema im Vergleich zum europäischen Durchschnitt vorkommt:
| Sprache | Was deutlich häufiger vorkommt als im Rest Europas |
|---|---|
| Deutsch | Allgemeinwissen (2,6-mal) — jede vierte Konversation ist eine Faktenfrage |
| Französisch | kreatives Schreiben und Rollenspiel (5,5-mal) |
| Englisch | Schule und Studium (2,1-mal) |
| Spanisch | Bildgenerierung (2,3-mal), persönliche Nachrichten (2,0-mal) |
| Tschechisch | Recht und Bürokratie (1,9-mal) |
| Slowakisch | Recht und Bürokratie (1,7-mal), Gesundheit (1,7-mal) |
| Litauisch | Gesundheit (2,5-mal), praktische Anleitungen (2,3-mal) |
| Estnisch | praktische Anleitungen (2,9-mal), Gesundheit (2,4-mal) |
| Ungarisch | Gesundheit (2,1-mal), Suche nach Produkten und Dienstleistungen (2,0-mal) |
| Bulgarisch | Gesundheit (1,9-mal), Recht und Bürokratie (1,7-mal) |
| Griechisch | Recht und Bürokratie (2,7-mal) |
| Slowenisch | Recht und Bürokratie (3,0-mal), praktische Anleitungen (2,8-mal) |
| Polnisch | persönliche Nachrichten (1,9-mal), Bildgenerierung (1,8-mal) |
| Niederländisch | Textkorrektur (2,5-mal) |
| Portugiesisch | Textkorrektur (2,8-mal) |
| Italienisch | Textkorrektur (1,7-mal), berufliches und behördliches Schreiben (1,5-mal) |
| Schwedisch | persönliche Nachrichten (3,3-mal) |
| Kroatisch | Suche nach Produkten und Dienstleistungen (2,2-mal), Gesundheit (2,2-mal) |
Ein paar Profile sind besonders hervorzuheben:
Deutsche nutzen die KI wie eine Enzyklopädie. Allgemeinwissen und Wissenswertes machen 25,5 % der deutschen Konversationen aus — das 2,6-Fache des Durchschnitts und der höchste Wert aller Sprachen. Zusammen mit dem Befund aus der Zeitstudie (79,6 % der deutschen Konversationen sind eine einzige lange Nachricht) ergibt sich ein stimmiges Bild: eine präzise Frage, eine präzise Antwort, Ende.
Englisch ist die Sprache der Hausaufgaben. Schule und Studium machen 18,6 % der englischen Konversationen aus — das Doppelte des Durchschnitts. In die englische Sprachversion strömt ein globales Publikum von Schülern und Studenten: Aufsätze, Testfragen, Erklärungen von Lernstoff.
Gesundheit: baltische und Balkan-Domäne
Litauer fragen die KI am häufigsten in Europa nach Gesundheitsthemen — jede siebte Konversation. Und dabei geht es nicht um allgemeine Ratschläge: Eine typische Anfrage ist die Interpretation eigener Laborwerte oder der Nebenwirkungen eines bestimmten Medikaments. Das gesamte Baltikum und der Balkan klären mit der KI Gesundheitsfragen zwei- bis zweieinhalbmal häufiger als Westeuropa — ein Muster, das ebenso viel über die Verfügbarkeit von Ärzten wie über das Vertrauen in Technologie aussagen kann. Franzosen und Polen besprechen Gesundheitsfragen mit der KI so gut wie gar nicht.
Bürokratie: Die KI als Beamter für Mittel- und Südeuropa
Kündigungsfristen, Anspruch auf Abfindung, Sozialleistungen, Erbschaft. Slowenen und Griechen fragen die KI in 15–17 % der Konversationen nach Recht und Behörden — auch Tschechisch liegt hoch (10,5 %, Platz 4) und ebenso Slowakisch. Am anderen Ende Englisch und Niederländisch (unter 2 %). Wo die Bürokratie kompliziert und Rechtsberatung teuer ist, fragen die Menschen die Maschine.
Das französische Phänomen: Die KI als Bühne
Das ist die auffälligste Abweichung der gesamten Studie: Kreatives Schreiben und Rollenspiel machen 21,8 % der französischen Konversationen aus — das 5,5-Fache des europäischen Durchschnitts und mehr als berufliches Schreiben. Französische Nutzer (dem Inhalt nach zu urteilen oft junge Anime-Fans) lassen die KI beliebte Figuren spielen und führen mit ihnen lange Dialoge — die KI ist für sie kein Werkzeug, sondern eine Bühne. Dasselbe Phänomen haben wir bereits unabhängig in unserer Höflichkeitsstudie erfasst, wo das französische Rollenspiel die Messung erschwerte, wie Menschen mit der KI wie mit einem Menschen umgehen. Bei den übrigen Sprachen bewegt sich kreatives Schreiben um 1–5 %.
Bonus: Sexuelle Inhalte sind seltener, als der Ruf vermuten lässt
KI-Chatbots haben den Ruf von Werkzeugen für erotisches Rollenspiel. Die Daten sagen etwas anderes: Nach einem strengen Audit (siehe Methodik) machen explizit sexuelle Inhalte 2,2 % aller Konversationen aus. Wieder führt Französisch (11,0 %) vor Polnisch (7,9 %) — beim Französischen handelt es sich um den expliziten Ableger desselben Rollenspiel-Phänomens. In sechs Sprachen fanden wir es überhaupt nicht, und Tschechisch liegt mit 0,6 % knapp über null. Betrachten Sie die Zahl als untere Schätzung für das Verhalten in einem gewöhnlichen, moderierten Chat — spezialisierte „AI-Companion”-Dienste dürften andere Zahlen aufweisen.
Und noch eine aussagekräftige Kategorie: 5,5 % der Menschen testen die KI nur — eine Begrüßung ohne Fortsetzung, „was ist 2 + 2”, „kannst du Deutsch?”. Die unabhängige wörterbuchbasierte Messung in der Höflichkeitsstudie kam auf dieselbe Zahl (5,4 %), was uns methodisch freut: zwei verschiedene Methoden, dasselbe Ergebnis.
Wie wir gemessen haben
- Stichprobe: 10.000 anonymisierte Datensätze aus der kostenlosen chat GPT-Alternative von GuideGlare (Version ohne Registrierung), 23.06.–24.07.2026, 22 Sprachversionen; nach Entfernung von 6 technischen Duplikaten arbeiten wir mit 9.994 Konversationen — derselben Stichprobe wie in unseren Studien zur Etikette und zur Zeit. Die Klassifikation deckte alle 9.994 Konversationen ab. In die Ranglisten fließen Sprachen mit mindestens 50 Konversationen ein (Dänisch und Finnisch fielen heraus). Die Stichprobengrößen reichen von 53 Konversationen (Slowenisch) bis 2.775 (Englisch); die vollständigen Zahlen nach Sprachen finden Sie in den herunterladbaren Daten.
- Taxonomie: Die 15 inhaltlichen Kategorien plus KI-Testen, „Sonstiges” und „nicht zuordenbar” haben wir empirisch erstellt — durch manuelle Kodierung einer stratifizierten Stichprobe von 629 Konversationen, mit Definitionen und Abgrenzungsregeln für Grenzfälle (z. B. „übersetze mir einen Text über Gesundheit” ist eine Übersetzung, keine Gesundheitsfrage; die Bitte um einen fertigen behördlichen Brief ist Schreiben, eine Frage zu einem Paragrafen ist Recht).
- Klassifikation: Jede Konversation wurde von einem Sprachmodell genau einer Kategorie entsprechend der überwiegenden Absicht zugeordnet (auf Basis der Nutzernachrichten). Die Qualität haben wir per Blindverifikation gemessen: Ein stärkeres Modell klassifizierte 300 zufällige Konversationen unabhängig neu, ohne Kenntnis des ursprünglichen Labels — Übereinstimmung 81,7 %, wobei die Abweichungen fast ausschließlich zwischen benachbarten Kategorien liegen (typischerweise „schreibe einen neuen Text” vs. „korrigiere meinen Text”). Die Rangfolge der großen Kategorien ist davon nicht betroffen; Unterschiede von bis zu ~2 Prozentpunkten zwischen benachbarten Rangplätzen interpretieren wir nicht.
- Audit der sensiblen Kategorie: Alle 336 als sexuelle Inhalte markierten Konversationen durchliefen eine zusätzliche strenge Bewertung durch ein stärkeres Modell. Bestanden haben 66 % — der Rest war überwiegend romantisches Rollenspiel ohne explizite Inhalte, das wir zum kreativen Schreiben verschoben haben. Die veröffentlichten NSFW-Zahlen sind also nach dieser Korrektur; davor läge die Kategorie bei 3,4 %.
- Statistik: Prozentangaben sind Anteile innerhalb der jeweiligen Sprache; für alle Werte berechnen wir Wilson-95-%-Konfidenzintervalle (vollständig in den herunterladbaren Daten). Der Wert „wie viel häufiger als der Durchschnitt” ist das Verhältnis des Kategorieanteils in einer Sprache zum Anteil in der Gesamtstichprobe; wir kommentieren nur Abweichungen ≥1,5× bei ausreichenden Stichproben.
- Datenschutz: Wir haben ausschließlich mit Aggregaten gearbeitet — ohne IP-Adressen, ohne Identifizierung von Nutzern, ohne Veröffentlichung von Konversationsinhalten; alle Beispiele im Artikel und in den Taxonomie-Definitionen sind Paraphrasen.
- Grenzen: eine Kategorie pro Konversation (Konversationen mit mehreren Zwecken erhalten das überwiegende Thema); die Klassifikation basiert auf einem kurzen Ausschnitt der Konversation; 3,1 % der Konversationen blieben nicht zuordenbar (Fragmente, unzusammenhängender Text) und wir belassen sie in der Basis. Eine Sprache ist kein Land — besonders bei Spanisch, Portugiesisch und Englisch schreibt ein erheblicher Teil der Nutzer von anderen Kontinenten aus. Die Stichprobe besteht aus Nutzern eines einzigen kostenlosen Tools; die Zahlen beschreiben das Verhalten auf unserem Chat, nicht die Bevölkerung eines ganzen Landes.
- Daten zum Download und Zitieren: Die vollständigen aggregierten Daten (18 Kategorien × 22 Sprachen × Konfidenzintervalle) können Sie als CSV herunterladen. Zahlen und Grafiken dürfen Sie frei in Artikeln, Blogs und Präsentationen verwenden — geben Sie einfach „Quelle: GuideGlare” mit einem aktiven Link auf diese Seite an, Details in den Zitierhinweisen. Grafiken in Druckqualität senden wir Ihnen gerne zu — schreiben Sie an info@explicaire.com.
Probieren Sie es selbst aus
Die Daten für diese Studie stammen aus unserer kostenlosen chat GPT-Alternative — sie funktioniert in allen 22 Sprachen dieser Studie, ohne Registrierung, und die Vollversion finden Sie als AI Chat GuideGlare. Ganz gleich, ob Sie wie ein Sechstel Europas eine E-Mail an den Chef schreiben müssen oder wie die Franzosen mit Ihrer Lieblingsfigur plaudern möchten. Und wenn Sie interessiert, wann das alle zeitlich unterbringen, lesen Sie unsere Folgestudie Wann sprechen wir mit der KI.
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